Lernen mit neuen Medien

Mediendidaktik

Um den großen Rahmen des Seminars abzurunden, geht es nun um die Mediendidaktik, als ein Teilgebiet der Medienpädagogik. Schon vom Wort lässt sich ableiten, dass es die Medien – Didaktik  das Lehren und Lernen mit Medien umfasst. Was haben Medien für Möglichkeiten in Lehr- und Lernsituationen? Wie können Medien in Bildungskontexten und außerhalb dieser, d.h. auch im Alltag der Lernenden, integriert werden? Wie können Lehr- und Lernprozesse durch den gezielten Einsatz von Medien optimiert, d.h. besser und effizienter gestaltet werden? Neben diesen Fragen, stellt sie die Mediendidaktik ähnliche Fragen, wie die allgemeine Didaktik. Neben der Verbindung zur Medienpädagogik und allgemeinen Didaktik ist auch die Medienerziehung Verbindungsstück zur Mediendidaktik. Kinder und Jugendliche müssen dazu befähigt werden, selbstständig und kompetent mit Medien umgehen zu können.

Es wird zwischen fünf unterschiedlichen mediendidaktischen Konzepten unterschieden:

  1. Lehrmittelkonzept (Medien werden als Hilfsmittel in den Unterricht eingegliedert beispielsweise mit dem Einsatz eines Overheadprojektors; der Lernende hat die Rolle eines Rezipienten)
  2. Arbeitsmittelkonzept (Aktivierung der Selbstständigkeit der Lernenden –  beispielsweise durch das Bearbeiten von Aufgaben, die auf einen Film zugeschnitten sind)
  3. Bausteinkonzept (Medienangebote sind für Unterrichtszwecke konzipiert, die als Lernsequenzen (Bausteine) in den Unterricht mit einfließen)
  4. Systemkonzept (Bereitstellung von Lehrsystemen mit Begleitmaterialien)
  5. Lernumgebungskonzept (Der Lernende ist aktiv am Lernprozess beteiligt und das somit wird das eigenständigen Lernen gefördert. – Beispielweise gibt es virtuelle Laboratorien, in denen durch virtuelle Simulationen unterschiedliche Themen behandelt werden können)

Medien können ganz unterschiedlich in Lehr- und Lernprozesse eingesetzt werden. Der Begriff des E-Learning umfasst das Lernen mit elektronischen, insbesondere digitalen Medien und ist deshalb eng mit der Mediendidaktik verbunden. E-Learning kann heute als softwareunterstützendes Lernen aufgefasst werden. Hierbei kann der Lehrende zwischen Präsenz- und virtueller Lernumgebung agieren. Im Rahmen des Seminars Medienpädagogik lernte ich die Methode des Blended Learning kennen. Es geht um eine Vermischung von Präsens- und Onlinestunden. Die Organisation des Seminars verlief vorwiegend über eine Online-Plattform, einem Seminarwiki (als webbasierte Anwendung, in der ich einfach Internetseiten modifizieren kann). Ich als Lernende erhalte jede Woche Aufgaben, die ich mit meiner Gruppe und individuell in meinem Blog erarbeite.

Die Mediendidaktik steht heute vor neuen Herausforderungen. Der Einsatz mit Medien ist immer mit dem Ziel verbunden, das Lernen durch eine Veranschaulichung der Lerninhalte zu erleichtern. Doch viele Schulen trauen sich noch nicht den Schritt zu wagen, Onlinemedien- Social-Software für Lehr- und Lernprozesse einzusetzen. Lehrer befürchten den Kontakt mit problematischen Themen und Datenschutzrisiken. Pädagogen sehen sich heute verstärkt  in der Verpflichtung, Schüler auf das selbstständige Arbeiten mit sozialen Netzwerken vorzubereiten und einen kompetenten, reflexiven, medienkritischen Umgang mit Medien zu fördern. Mediendidaktik darf also nicht ohne Medienerziehung geschehen.

Literatur: Süss, D.; Lampert C. & Wijnen, Chr. W. (2010). Mediendidaktik: Lehren und Lernen mit Medien. In Medienpädagogik. Ein Studienbuch zur Einführung. (S.149-172). Wiesbaden: VS Verlag.

Game-Based-Learning

Lernen/ Spielspaß/ Simulation

In einer Welt, die sich kaum noch weiterdreht, ohne die digitalen Medien, gewinnen Computer- und Videospiele immer mehr an Popularität. Kinder und Jugendliche investieren heute viel Zeit in digitale Spiele. Sie dienen der Unterhaltung und bereiten ihnen viel Spaß in ihrer Freizeit. Doch dass in Spielen auch Lernprozesse stattfinden, ist nur den wenigsten bewusst. Vertreter der Idee des „Digital Game-Based Learning“ machen sich die boomende Branche zu Nutzen, um Bildungsziele zu erreichen. Sie beschäftigen sich mit den Lernarrangements von Spielen und gehen der Frage nach, wie und in welcher Weise durch digitale Spiele gelernt werden kann. Schon in den 1990er Jahren gibt es für Kinder im Vorschulalter einfache Lernspiele. Im Zuge der Weiterentwicklung der Technologien bis hin zu den modernen Smartphones setzen sich Bildungsexperten damit auseinander, wie sich Spiele auf Heranwachsende auswirken. Neben den starken Kritikern der „Gameindustrie“, die Spielsucht oder Gewaltpotential als mögliche Gefahren propagieren, gibt es die Nutznießer, die in (Lern-)Spielen eine Form des aktiven, selbstregulierten, konstruktiven und situierten Lernens sehen:

  • Aktives Lernen durch einen gleichbleibenden Spielzyklus
  • Konstruktives Lernen durch Wirkungen von unterschiedlichen Handlungsentscheidungen (Versuch-und-Irrtums-Prinzip)
  • Selbstgesteuertes Lernen durch das eigene, individuelle Vorgehen und die selbst gesetzte Spieldauer
  • Soziales Lernen durch den Kontakt mit anderen Spielern
  • Emotionales Lernen zum Beispiel durch persönliche Identifikation und vor allem mit Selbstwirksamkeitserfahrungen
  • Situiertes Lernen durch unterschiedliche Probleme und Aufgaben in Spielverlauf

Der Wert an Unterhaltung ist verbunden mit Selbstwirksamkeitserfahrungen. Der Spieler macht diese Erfahrungen, wenn er auf seine Spielaktivität eine unmittelbare Reaktion des Spiels erfährt. wird das Gefühl vermittelt, dass ein direkter Einfluss auf das Geschehen im Spielverlauf möglich ist. Zudem spielen Spannungsaufbau (emotionale Anteilnahme) und Lebens- bzw. Rollenerfahrungen (Erfolg im Spiel à Kontrolle des Spiels) eine Rollte bei Unterhaltungsprozessen.

Die Vertreter des spielenden Lernens haben die Herausforderung, dass trotz des Schaffens von Lernsituationen der Unterhaltungswert der Spiele nicht sinken darf. Idealerweise ist ein spielbasiertes Lernen mit implizitem Lernen, sodass die Lernaktivität vom Spieler gar nicht als solche wahrgenommen wird. Explizites Lernen gilt es demnach zu vermeiden, um den Spielspaß nicht zu senken. Die heutige Spielbranche ist charakterisiert durch hochwertige Spiele mit den neusten technischen Möglichkeiten und dem Wettbewerb zwischen Spielmachern. Die Spielproduktion ist aufwändiger und teuer denn je. So fehlen im Bildungsbereich häufig die nötigen Mittel, ein Lernspiel mit derartiger Spielmechanik auf den Markt zu bringen.

Da jeder ganz individuell lernt, ist auch das spielende Lernen gekoppelt mit einer didaktischen Rahmung, damit es auch zu den erhofften Lernerfolgen kommen kann. Der Lernende muss also pädagogisch betreut werden, es muss zum Beispiel eine Vor,- und Nachbesprechung stattfinden und ein ständiger Austausch von Spielerfahrungen ermöglicht werden.

Schaffen es also Lernspiele den gleichen Spielspaß wie Unterhaltungsspiele?

Um einen Eindruck von einem Spiel  des Game-Based-Learning-Konzeptes zu bekommen, spielte ich das Spiel Winterfest.

Meine Spielerfahrungen

Diese Spiel soll Erwachsenen dabei helfen, ihrer Rechenschwäche oder ihren Lese,- und Rechtschreibschwierigkeiten entgegenzuarbeiten.

Ich befinde mich am Anfang des Spiels direkt in eine virtuelle Welt versetzt und kann mit meiner Maus die Hauptfigur Alex bewegen und einzelne Spielzüge ausführen. Er lebt mit seiner Mutter zusammen und sucht nach Arbeit. Das Spiel beginnt in der Wohnung der beiden. Es ist möglich, ein Tutorium zu aktivieren, das dich direkt durch das ganze Spiel begleitet und dir erklärt, wie du in der virtuellen Welt zurechtkommst. Beispielsweise gibt es eine Lupe, die dir direkt anzeigt, welche Dinge im Raum du dir als Person Alex anschauen kannst. Bewegst du die Maus über den Bildschirm, so erscheint eine Hand. Bewegst du die Hand beispielsweise auf die Mutter, dann erscheint das Zeichen eines Mundes, das dir signalisiert, dass du mit dieser Person sprechen kannst. Die Konversationen zwischen den einzelnen Spielfiguren erscheinen schriftlich auf dem Bildschirm, werden aber vorgelesen, sodass der Spieler mitlesen kann. Alex kann oft zwischen drei Antwortmöglichkeiten entscheiden. Die richtige Antwort kann sich der Spieler aus dem Zusammenhang logisch erschließen. Die Mutter bittet Alex die Post zu öffnen. Zunächst muss Alex den Brieföffner im Raum finden, um die Post zu öffnen. Bewege ich die Maus auf den Briefumschlag, so erscheinen zwei Augen, sodass ich weiß, dass ich mir diesen Gegenstand anschauen kann. Als Alex den Brief öffnet, befindet er sich plötzlich vor einem Stadttor in einer ganz anderen Zeit, im Mittelalter. Er steht direkt vor der Aufgabe, in die Stadt zu kommen, doch ein Wächter verlangt Passiergeld von ihm. Da meldet sich eine sprechende Ratte zu Wort, die Alex von nun an durch die Spielorte des Mittelalters begleiten wird. Sie kann Alex Tipps geben, wenn er im Spielverlauf mal nicht weiterkommt. Alex hat die große Aufgabe, die Hexe aus dem Gefängnis zu befreien, nur so kann er wieder nach Hause zurückkehren. Doch bis er das geschafft hat, muss er viele Rätsel und Teilaufgaben bewältigen, um sozusagen ins nächste „Level“ zu gelangen. Es handelt sich also bei dem Spiel um ein Adventurespiel, in dem das Lösen von Rätseln und Aufgaben die Rahmengeschichte fortführt. Minispiele fordern zum Rechnen, genauem Zuhören und Schreiben auf. So soll auf spielerische Weise gelernt werden.

Alex kann sich, je weiter er gekommen ist, d.h. je mehr Aufgaben er gelöst hat, mit Hilfe einer Karte zwischen unterschiedlichen Orten bewegen. Der Spieler muss als Alex strategisch Denken und sich entscheiden, wie er handelt, es gibt also verschiedene Handlungsalternativen. Meines Erachtens haben es Spielmacher dieses Spiels nicht geschafft, Lerninhalte so zu integrieren, dass sie als solche gar nicht wahrgenommen werden. Es ist vielmehr sehr offensichtlich ein Lernspiel mit explizitem Lernen. Das Spiel läuft Gefahr, schnell an Attraktivität zu verlieren, obgleich ich in diesem Spiel viele Lernprozesse integriert sehe. Man erfährt sich als Handlungsperson Alex, schlüpft in seine Rolle und macht durch die Bewältigung der Aufgaben, die zum Erfolg des Spieles beiträgt, Selbstwirksamkeitserfahrung. Das Lernen geschieht hier aktiv, konstruktiv, selbstgesteuert, teils emotional und situiert (siehe oben). Ebenfalls ist zu bemängeln, dass dieses Spiel für Erwachsende zugeschnitten sein soll. Ich denke, dass sie sich doch ein wenig unterfordert fühlen könnten. Jedoch ist es für mich natürlich auch eine Leichtigkeit die Lese-Rechen-und Schreibaufgaben zu lösen, daher kann ich dies wohl er schlecht beurteilen. Zu verstehen wie das Spiel funktioniert, geschieht sehr schnell, die Spielregeln sind leicht nachzuvollziehen, denn die Spielrahmung ist weniger komplex. Im Großen und Ganzen ein nettes Spiel, das aber unbedingt als Lernspiel anzusehen ist und für mich an Unterhaltungswert nicht an ein Unterhaltungsspiel herankommt.

Quelle Bild 1

Quelle Bild 2

Link Literatur

Medienerziehung

Medienerziehung

Quelle

 

Eine kurze Einführung in das Thema der Medienerziehung

Medienerziehung ist gleichermaßen Aufgabe und Ziel der Medienpädagogik.

Kinder sollten neben der Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, gewiss in einer Zeit, in der die Suchtgefahren einer Mediennutzung immer deutlicher werden. Heute wachsen Kinder mit Medien auf. Sie chatten mit Freunden, statt sich mit ihnen zu treffen oder nutzen Handys als Allroundtalent ihres Alltags.

Eltern sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, Kinder für einen bewussten Umgang mit Medien zu sensibilisieren, doch sollten sie mit dieser Aufgabe nicht mehr allein dastehen. Sowohl Initiativen, die Eltern in der Medienerziehung unter die Arme greifen, als auch die Schule, die wach geworden ist, angesichts der drastischen Entwicklungen im Medienzeitalter. Kinder sollten sich optimal entwickeln können hierzu soll die Medienerziehung beitragen.

Im Bereich der Medienerziehung geht es nicht nur um die Erziehung über Medien, sondern auch die Erziehung durch die Medien ist zu fördern.

  1. Erziehung zur kompetenten und reflektierten Mediennutzung
  2. Der erzieherische Einfluss der Medien auf Menschen bzw. die Nutzung der Medien in Bildungsprozessen

Bildungsprozesse beinhalten schon seit langem Medien zur Unterstützung, sei es um Themen zu veranschaulichen oder zu vertiefen. Mit Büchern und Textquellen verbinden wir die klassische Bildung in der Schule. Doch hinzugekommen sind heute elektronische Medien mit vielfältigen Möglichkeiten der Wirkung und Visualisierung. Medien sind ebenso Medienerzieher geworden: Sie erleichtern Kommunikation und bieten Orientierung.

Heutige Medien schaffen Informationen, Probleme und ein Bild von der Welt, gerade diese veränderte Bildungssituation ist gleichzeitig Chance und Aufgabe der Schule.

Sie muss von einer veränderten Lernausgangslage der Schüler ausgehen und Nutzung- bzw. Gestaltugsmöglichkeiten der Medien an die Schüler heranführen. Insbesondere auf die Wirkung von Medien aufmerksam machen.

Quelle Bild 2

 

 

 

 

 

 

Mit Hinblick auf das Thema der Medienerziehung war es die Aufgabe unserer Gruppe eine Unterrichtskizze zu gestalten. Wir waren uns schnell einig, dass gerade das Thema Soziale Netzwerke und Datenschutz besonders wichtig für die heutige Generation ist, Kinder und Jungendliche nutzen soziale Plattformen, insbesondere Facebook als zentralen Bestandteil und Kommunikationsmittel ihres Alltags. Für sie ist Facebook unentbehrlich geworden, ein soziales Miteinander spielt sich online ab. Das eigene Facebookprofil dient der eigenen Selbstdarstellung, Freundschaften werden gepflegt, der Alltag geplant und öffentlich nachvollziehbar gemacht. Doch viele Jugendliche gehen viel zu naiv mit ihren persönlichen Daten um, regeln ihre Privatsphäreeinstellungen nicht angemessen und zeigen der Öffentlichkeit ein umfassendes Bild über das eigene Leben: eigene Interessen, Freunde, Liebe, Familie, Lieblingsorte à alles wird für die Außenwelt sichtbar.

Genau auf die möglichen Gefahren von Facebook wollten wir in unserer Unterrichtseinheit aufmerksam machen. Den Schüler einen aufgeklärten Umgang mit sozialen Netzwerken sichern und über den sicheren Umgang mit Daten (Datenschutz) sensibilisieren.

Die Schüler sollten sich bewusst werden, wie viel Daten sie eigentlich bei Facebook preisgeben und dies anhand von drei unterschiedlichen fiktiven Facebookprofilen illustrieren.

Die Aufgabenstellung für die Schüler beinhaltete, mittels der Profile ein Charakterisierung bzw. eine Personenanalyse vorzunehmen.

Das erste Profil zum Beispiel sollte unbedingt schockieren, denn die gewählte Person gibt ganz unbedenklich persönliche Informationen preis.

Im Anschluss an die Aufgaben gibt die Lehrerin Input zum Thema Datenschutz und den AGB’s von Facebook.

Die Unterrichtseinheit soll für die Schüler ein Wachruf sein, bewusst mit ihren persönlichen Daten im Internet umzugehen.

Ich empfand das Anfertigen der Unterrichtsskizze als sehr spannend. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, kreativ eigene Vorstellungen mit in die Planung zu integrieren. Bei der Recherche zu diesem Thema bin ich auf mehrere interessante Artikel gestoßen, die ich euch Leser nicht vorenthalten will:

Spiegel online: Wie wir unsere Privatsphäre schützen können

Spiegel online aus Wikipedia: Datenschutz, was ist das eigentich?

die faz klärt auf: Jetzt fallen die Masken bei facebook

Studie: Wie verhalten sich Jugendliche in sozialen Netzwerken?

Ich muss gestehen, dass ich als eigener Facebooknutzer schon erschrocken war, wie Facebook mit meinen Daten umgeht und welche Spuren ich tatsächlich im Internet hinterlasse. Zwar war mir bewusst, dass ich stets auf meine privaten Einstellungen achten muss und besonders bei Fotos immer äußerste Vorsicht genieße, doch auch ich habe einige Dinge dazugelernt, die mir vorher, als jahrelanger Facebookuser nicht bekannt waren.

Bildquelle

Did you know?

Soziale Netzwerke und social media beeinflussen das Verhalten der modernen Menschen nachhaltig. Diese zwei Videos  zeigen, wie weit die digitale Revolution schon fortgeschritten ist. Erstaunliche Fakten rund um die Medienentwicklung schockieren. Die Veränderungen bis zum Jahr 2009 sind schon erstaunlich, doch sind 2012  noch stärkere Veränderungen der Mediennutzung zu sehen. Medien sind in unserem alltäglichen Leben notwendig geworden, durchdringen unser Leben immer mehr und sind nicht mehr wegzudenken.

2009

2012

Das Anliegen der Medienpädagogik ist es, Menschen für einen richtigen Umgang mit Medien stark zu machen, so dass sie, egal welche Gestalt die Medienwelt annimmt, ihr kritisch-reflexiv und selbstbestimmt-handelnd begegnen können. Um dies zu realisieren, muss sich medienpädagogisches Handeln an an der zunehmenden Mediatisierung, an den Medienangeboten und vor allem am Mediengebrauch orientieren.

Sehr oft fiel in meinen Artikeln der Begriff der Medienkompetenz. Doch was beinhaltet die Medienkompetenz als Kategorie des medienpädagogischen Handelns?

Mit der immer fortwährenden Mediatisierung des alltäglichen Lebens stehen wir vor Herausforderungen, die wir ohne die nötige Kompetenz nicht bewältigen können. Den Kompetenzbegriff hat seinen Ursprung in der Sprachwissenschaft. Er wird von Noam Chomsky Ende der 1960er Jahre geprägt, der zwischen Kompetenz und Performanz unterscheidet und stellte das Wechselspiel zwischen diesen beiden Wörtern heraus. Chomsky geht noch davon aus, dass die Kompetenz bereits angeborene Fähigkeiten kennzeichnet, die nur mittels der Performanz sichtbar werden, d.h. im konkreten Anwenden. Der Kompetenzbegriff wird entscheidend von dem Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen Dieter Baacke weiterentwickelt, der ihn auf kommunikative Prozesse bezieht. Erst viel später spricht Baacke von der Medienkompetenz als die „Fähigkeit, in der Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Hanldungsrepertoire von Menschen einzusetzen.“ (1996)

Bei der Medienkompetenz handelt es sich um einen Prozess lebenslangen Lernens, da sich Medien immer wieder wandeln und dies neue Kompetenzen fordert. Die Aufgabe, selbstbestimmt medienkompetent zu handeln, stellt sich nicht nur für Heranwachsende, sondern für alle Altersstufen. Die Dimension der Medienkompetenz bzw. der kompetente Umgang mit Medien unterscheidet sich je nach Alter, Geschlecht, Bildung oder soziales Gefüge.

In der Theorie gibt es verschiedene Ansätze, die Dimensionen zu bestimmen. Nicht nur die Art, sondern auch die Anzahl der Dimensionen unterscheiden sich. Die Kompetenztheorien finden ebenso Berücksichtigung wie die Handlungsorientierung – einige Theorien verbinden beide Aspekte miteinander.

Ein Beispiel für eine Medienkompetenzdimension möchte ich an dieser Stelle geben: Nach Doelker (2005) werden 10 Perspektiven unterschieden. Perspektive 7: Medien auswerten lernen. (Medien sollen breit genutzt werden können, um Informationen und Datenquellen zu erschließen)

Auch wenn es verschiedene Ansätze gibt, Medienkompetenzdimensionen zu beschreiben, erläutert Baacke die vier Dimensionen, die am häufigsten Verwendung finden:

  • Medienkunde
  • Mediennutzung
  • Medienkritik
  • Mediengestaltung

Wer wissen möchte, was die einzelnen Dimensionen genau beinhalten, der schaue auf dieser Seite.

Die Aneignung der eigenen Medienkompetenz ist ein kontinuierlicher Prozess. Man lernt ein Leben lang, beeinflusst durch die stetigen Veränderungen der Mediengestalt oder der eigenen Lebenslage, d.h mit einem neuen Beruf werden neue Kompetenzen benötigt. Diesen Aspekt merke ich selbst an meinem Leben. Vom bloßen passiven Konsumenten bin ich zu jemandem geworden, der aktiv mit Medien arbeitet, selbstständig eine Wahl der Medieninhalte trifft usw. Meine Kompetenzen haben sich stetig erweitert. Auch mit Hilfe dieses Seminars habe ich meine Medienkompetenz bisher stark erweitern können. Ich habe viel neues gelernt, wie zum Beispiel einen eigenen Blog zu gestalten oder ich bin auf die wirklichen Gefahren von Medien und Medienkonsum aufmerksam geworden.

Ich könnte für mich ein „Portfolio Medienkompetenz“ erstellen, in dem ich reflektiere, welche Medienkompetenzen sich nach und nach entwickelt haben, das wäre sicherlich sehr spannend die eigenen Erfolgserlebnisse vor Augen geführt zu bekommen. Meist geschieht meines Erachtens das Verbessern der eigenen Kompetenzen ganz von allein, sodass einem der Prozess gar nicht so bewusst ist. Erst rückblickend ist es wirklich erstaunlich, was ich alles für neue Dimensionen von Medienkompetenz erlernt habe, die ich heute ganz selbstverständlich gebrauche.

Wenn wir uns alles selber beibringen, fehlen eventuell einige Dimensionen, die für einen kompetenten Umgang mit Medien von besonderer Bedeutung sind, gerade mit Blick auf die Gefahren, wie die Freigabe von persönlichen Daten in sozialen Netzwerken. Einige Heranwachsende surfen zu naiv im Internet, ohne auf mögliche Konsequenzen zu achten. Dass wir im Netz eine Spur hinterlassen (Cookies), ganz frei sehr persönliche oder intime Informationen freigeben und dies andere sehen können, ist vielen nicht bewusst.

Medienkompetenz als Schulfach ist noch nicht realisiert worden, doch gerade um Schüler für derartige Gefahren zu sensibilisieren, ist Medienkompetenz von Nöten. Die Bildungspolitik aktiv werden.

Medienkompetenz im Test: SWR checkt die Waldschule Mannheim:

Mediensozialisation

 

 

Dieter Nuhr zeigt auf humorvolle Weise, wie Medien sich in unser alltägliches Leben geschlichen haben. Wir wissen gar nicht mehr, wie ein Leben ohne Handy überhaupt funktionieren soll. Wie Medien auf die psychosoziale Entwicklung wirken, darum ging es in dieser Woche.

Über die Sozialisationseffekte von Medien sprach man nicht erst seit Beginn der elektronischen Medien. Egal um welches Medium es sich auch handeln mag, die Frage nach den Wirkungen, die auf die psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wirken, war zu jeder Zeit bedeutsam. Die Medien und deren Inhalte wurden für negative Einflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsentwicklung der Kinder verantwortlich gemacht. Die Sichtweise auf das Individuum hat sich geändert, es wird nicht mehr von einem sich anpassenden Teil der Gesellschaft gesprochen, sondern von einem selbstständigen, interaktiven Subjekt, der seine gesellschaftliche Umgebung mitgestaltet.

Zunächst muss zwischen den Verhältnis zwischen Medium und Subjekt unterschieden werden:

  • Medien wirken auf Menschen ein. (Passiv)
  • Menschen sind mit einer Medienkompetenz ausgestattet und setzten sich aktive mit Medien auseinander, selektieren in ihrer Medienauswahl bzw. in ihrem Inhalt.
  • Menschen und Medien stehen in Interaktion miteinander, Einflüsse werden unter dieser Wechselbeziehung gesehen.Wirkungen werden also nicht mehr direkt unmittelbar begründet, sondern anderer Faktoren und Beziehungen mit einer zeitlichen Verzögerung mit berücksichtigt

Kinder wachsen immer mehr in einer Welt auf, in der reale und mediale Erfahrungen einen ähnlichen Stellenwert haben. Mit den neuen digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien und mit einer zunehmenden Verschmelzung aller Medien zu einem komplexen System, sehen sich  Kinder in einem „digitalen Umfeld“ eingebettet. Die vielfältigen Möglichkeiten, wie Kommunikation mit mehren Freunden gleichzeitig über das Internet, Konsum, Spiele eigenes Produzieren und die Nutzung der Kreativität, werden von der neuen Generation als selbstverständlich in ihren Alltag integriert. Dies ist solange nicht problematisch, solange ein gesundes Verhältnis zur „realen“ Erfahrungen (Alpha-Welt), wie z.B. die Gabe, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen oder eine ausreichende Identitätsentwicklung in einem realen sozialen Umfeld vorhanden ist. Die Sozialisation richtet ihren Blickwinkel auf die Interaktion zwischen Individuum und Umgebung und die persönliche Entwicklung und Selbstfindung im gesellschaftlichen Kontext betrachtet. Die Identitätsentwicklung sollte zu den wichtigsten Themen in der Medienzukunft gehören, da ich glaube, diese neben den traditionellen Einflüssen, verstärkt in der Medienwelt stattfinden wird. Medienkompetenz ist heute und in Zukunft zur Entwicklungsaufgabe selber geworden. Es geht vermehrt darum, wie ein Kind mit den eigenen Medienerfahrungen umgehen kann und um den kritischen Umgang mit der Informationsmasse und der digitalen Kommunikation. Die Schwerpunkte der Medienpädagogik und –erziehung sollten die Trennung von Realität und Fiktion behandeln, die Identitätsbildung, kritische Informationsbetrachtung und Fähigkeit zum sicheren Umgang mit digitalen Gruppen befähigen.

Der Text von D. Süss und C. Lampert hat mich dazu gebracht, einmal selber über meinen Medienumgang nachzudenken und in wieweit Medien mich in meiner Kindheit und Entwicklung beeinflusst haben. Wie ein ganz besonderes Medium mein Leben heute ein ständiger Begleiter ist und ich es nicht einmal wahrgenommen habe:  Hierzu finden sie einen weiteren Artikel (Ein Tag ohne Handy).

Literatur: Süss, D.; Lampert C. & Wijnen, Chr. W. (2010). Mediensozialisation: Aufwachsen in medialisierten Lebenswelten. In Medienpädagogik. Ein Studienbuch zur Einführung. (S.29-52). Wiesbaden: VS Verlag. / Aufenanger, S. (2008). Mediensozialisation. In U. Sander, F. von Gross & K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik (S.87-92). Wiesbaden: VS Verlag.

Kann man noch ohne Handy leben?

Quelle

 

Wir leben in einer digitalisierten Welt. Medien nehmen ganz selbstverständlich ihren Platz in unserem Leben ein. Ohne dass es uns so recht bewusst ist, stehlen sie uns die Zeit und unsere Aufmerksamkeit. Vor zwanzig Jahren war wahrscheinlich keinem bewusst, dass heutzutage bereits 11-Jährige mit einem Handy ausgestattet sind, damit Musik hören, ihre Freunde anrufen,  im Internet surfen. Das Handy ist nach nur kurzer Zeit fester Bestandteil unseres Alltags. Was aber, wenn man mal einen Tag ohne es leben müsste? Würdet Ihr die Ruhe genießen? Oder könntet Ihr es ohne Sms-Schreiben, Telefonieren oder Spielen nicht aushalten? Ein Tag ohne Handy – könntet Ihr das?

In ganz Marburg fiel für einen Tag das O2-Netz aus. Für mich bedeutete dies, ein Tag ohne Smartphone. Bis zu diesem Tag, war mir nicht bewusst, welche Auswirkungen mein eigenes Handy auf mich und auf meine Lebenszeit hat. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich mich ohne Handy so „nackt“ fühlen würde. Wie oft ich sonst tatsächlich zum Handy greife, wurde mir an diesem Tag erschreckend vor Augen geführt. Wie sagt man so schön, es wird einem erst klar, wie sehr etwas gebraucht wird, wenn man es nicht mehr hat. Dass ich diesen Satz über mein eigenes Smartphone sagen muss, ist schon tragisch. Ich habe einfach mal  mein eigenes Handyverhalten reflektiert: Mein Smartphone, der ständige Begleiter, der digitale Freund an meiner Seite.

Morgens wenn ich aufstehe, schaue ich nach den neusten Nachrichten auf meinem Handy, rufe meinen Wetterapp auf und suche, bevor ich aus dem Haus gehe, nach dem nächsten Bus mit meiner RMV-APP – sonst würde ich ja unnötig Zeit an der Bushaltestelle verbringen. Im Bus auf dem Weg zur Uni rufe ich Facebook auf, gebe vielleicht Likes und Kommentare ab, durchstöbere die Startseite nach interessanten Neuigkeiten von meinen Freunden und Bekannten. Mit Facebook überbrücke ich Zeit, habe sogar das Gefühl, ich würde so die Zeit, die ich sonst einfach verstreiche, z.B. im Bus, sinnvoll nutzen. In jeder freie Minute, in der ich nichts mit mir anzufangen weiß, Wartezeiten oder Zeit, in der ich mich zu langweilen drohe, zücke ich mein Handy. „Zack“ bin ich wieder auf Facebook oder schreibe eine Message vom Whatsapp-Messenger.

Gerade die Whatsapp hat Suchtpotenzial. Bin ich lecker Essen, auf einer Party, auf dem Weihnachtsmarkt oder oben auf dem Marburger Schloss, dann mache ich Fotos vom Essen oder von den Orten, wo ich gerade bin, auch mit Personen mit denen ich zusammen bin und verschicke sie an andere Freunde per Tastendruck. Gerne wird ein Foto auch gleich für Facebook freigegeben, damit man sich über andere Likes erfreuen kann. Je mehr Likes, desto besser.

Den ganzen Tag über schaue ich immer wieder nach, ob ich neue Nachrichten bei Whatsapp bekommen habe, warte auf Antworten. Es geht sogar soweit, dass ich überprüfen kann, wann der andere das letzte Mal online war und den Whatsapp-Messenger genutzt hat. Warte ich also auf eine dringende Antwort, kann ich sehen, ob mein „Textpartner“ bereits online war oder gerade online ist. Dieses Verhalten ist wirklich nicht gesund. Sehe ich also, dass jemand online war, von dem ich mir eine Nachricht erhoffe, bin ich enttäuscht und frage mich instinktiv, warum mir nicht geantwortet wird.

Ebenso ist bei Facebook nachzuvollziehen, ob der andere bereits deine Nachricht gelesen hat. Es ist also genau sichtbar, wie du online bist, wann du eine Nachricht gelesen hast. Ich bin mir nicht sicher, aber betreiben wir nicht alle täglich ein gewisses Stalkingverhalten und werden zu Kontrollfreaks?

Per Whatsapp tausche ich meine Gedanken aus. Gedanken, Alltagsproblemchen, über die Uni, über Beziehungen und Freunde und Familie. Alles kann Bestandteil eines Chat-Gesprächs sein. Obgleich ich merke, dass vieles nur oberflächlich angeschnitten wird, teilweise man sogar zu Notlügen greift, um weitere Fragen zu vermeiden. Ich vertage einiges Gesprächspotenzial dann auf ein persönliches Treffen und Gespräch. Auch hierbei dient Whatsapp als vermittelnde Instanz. Hier organisiere ich meine Verabredungen, schreibe meinen Freunden, wann sie Zeit haben, frage sie, was sie machen. Heute wird oft viel spontaner der Tag verplant. Hatte man sich früher Tage zuvor per Telefon verabredet zu einem gewissen Zeitpunkt, so fand dieses Treffen dann auch genauso statt. Heute versichert man sich oft noch am selben Tag, ob man sich denn nun wirklich trifft, es wird  kurz vorher geschrieben, dass man sich verspätet oder der Treffpunkt verändert. Heute musst du flexibel sein und immer erreichbar, denn sonst bekommst du derartige Nachrichten nicht.

Geburtstage, große und kleine Veranstaltungen und Partys sind per Facebook einzusehen. Geburtstagseinladungen über den Postweg, das ist heute viel zu umständlich. Heute bekommst du über Facebook eine Einladung und kannst als Gastgeber eine Veranstaltungsseite erstellen.

An jenem Tag ohne Smartphone konnte ich all diese Dinge nicht tun. Jedes Mal, wenn ich auf den Bus angewiesen war, musste ich mich an die Bushaltestellen warten. Die Zeit des Wartens konnte ich nicht mit Facebook oder Whatsapp überbrücken. Mein Ägernis, dass ich auf den Bus warten musste, nicht anderen mitteilen.

Zwischen den Vorlesungen und Seminaren war ich ganz unruhig. Ich dachte mir, jetzt schreibt mit bestimmt jemand etwas ganz wichtiges, ich verpasse alles, weil ich nicht erreichbar bin. Ich schaute, wie immer ganz instinktiv auf mein Handy, um zu überprüfen, ob ich Neuigkeiten bekommen hatte. Doch auf dem Handy rührte sich keine Veränderung.

Da ich wusste, dass ich den ganzen Tag nicht erreichbar sein werde, verabredete ich mich schon morgens direkt zum Abendessen. Beim Abendessen spielten meine Freunde mit dem Handy rum, antworteten auf Nachrichten und ich hatte keins, nichts mit dem ich mich beschäftigen konnte und fühlte mich direkt unwohl. Ich hatte ja nicht die Möglichkeit dazu, ONLINE zu sein. Das fuchste mich. Ein Tag offline, nicht erreichbar und mir ist wirklich bewusst geworden, wie abhängig ich von diesem Gerät bin. Wie viel Zeit meines Tages ich in mein Smartphone investiere. Mein Smartphone – eine Option der Gesellschaft oder eine Sucht? 

Ein weiterer Artikel zum Thema nicht erreichbar zu sein:

Bin ich handysüchtig? Hier gibt es einen Test:

Medienpädagogische Ansätze

Medienpädagogische Ansätze

Medienpädagogik hat das grundlegende Ziel, Kinder und Jugendliche zum sicheren Umgang mit den Medien zu befähigen. Sie sollen mit Gefahren und Risiken der Medienwelt umgehen können aber auch lernen, sie zu vermeiden. Hierbei ist zwischen fünf pädagogischen Ansätzen zu unterscheiden, die das Grundverständnis der Medienpädagogik in unterschiedlichen Zeiten und Orten auf den Punkt bringen:

  1. Bewahrende Pädagogik
  2. Reparierende Pädagogik
  3. Aufklärende Pädagogik
  4. Alltagsorientierte Pädagogik
  5. Handlungsorientierte Pädagogik

1. Die bewahrpädagogische Konzepte befassen sich mit Initiativen des Jugendmedienschutzes, fördern aber auch altersgerechte Medienangebote und -inhalte. Das Augenmerk dieses Ansatzes ist auf den Schutz vor möglichen Gefahren und Risiken des Medienkonsums gelegt. Der Mediensucht oder Konsumsucht durch Werbung soll mit Sanktionen und Verboten entgegengewirkt werden, so will man die Mediennutzung insgesamt unter Kontrolle behalten. Der Medienverzicht wird gefördert, damit ausreichend Zeit für andere Freizeitaktivitäten bleibt. Nicht nur Medienproduzenten- und -distributoren sollen gesetzlich dazu verpflichtet werden, ungeeignete Inhalte für Heranwachsende nicht zu veröffentlichen, sondern auch den Heranwachsenden soll der problematische Inhalt durch Zugangssperren vorenthalten werden. Zu nennen sind die Altersfreigaben für Computerspiele und Filme.

Neue Aufruhe erhält die Bewahrpädagogik durch moderne Vertreter der Hirnforscher, die auf die negativen Folgen der Mediennutzung für das Gehirn aufmerksam machen. Manfred Spitzer (2005) (siehe Artikel) hält an seiner These fest: „Bildschirmmedien machen dumm, aggressiv, traurig und dick.“ Ebenso erklärt der Neurobiologe Gerald Hüther (2008) Medienkonsum gefährde maßgeblich die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Nicht nur die körperlichen Probleme wie Haltungsschäden oder Übergewicht geraten in den Blick der Medienkritiker, sondern auch soziale bzw. psychische Probleme wie Verhaltensstörungen, Entwicklungsschwierigkeiten oder familiäre Probleme.

Da sich jedes Kind individuell entwickelt, kann man nicht pauschal sagen, Medien führen bei allen Kindern gleichermaßen zu Schäden. Zu beachten ist, dass derselbe Medieninhalt bzw. die gleiche Dauer und Art der Mediennutzung ganz unterschiedliche Effekte bei einzelnen Kindern auslöst, teilweise ganz unabhängig von ihrem Alter. Es gibt Kinder, die können besser mit schwierigen, belastenden Situationen umgehen, als andere. Hierzu ist der Begriff der Resillienz zu nennen: Sie definiert sich als „Fähigkeit, auch mit schwierigen, psychosozialen Belastungen zurechtzukommen, sodass keine psychischen Schäden daraus entstehen.“

2. Reparierpädagogische Konzepte: Diese Ansätze setzen voraus, dass der Einfluss durch die Medien nicht mehr aufzuhalten und zu vermeiden ist. Wird Kindern einfach der Medienkonsum verboten, so suchen sie andere Möglichkeiten mit Medien in Kontakt zu kommen. Gerade die radikale Ablehnung durch die Eltern sogt dafür, dass Kinder keine Verarbeitungshilfen bekommen. Reparierpädagogische Konzepte sprechen sich für Maßnahmen aus, die Kindern hilft, mit Medienerfahrungen umzugehen. Eltern sollen beispielsweise ihre Kinder in einem Gespräch helfen, mögliche Irritationen oder Fragen rund um die Medien aufzuklären und den eigenen Umgang mit den Medien zu reflektieren, ebenso sollen Hilfestellungen zur Bewältigung gegeben werden.

3. Aufklärende Konzepte: Kindern soll möglichst viel Wissen über die Medien und dessen Funktionen vermittelt werden. Sie sollen lernen, Medien zu „durchschauen“ und zudem Medienbotschaften einmal kritisch überdenken. Heranwachsende sollen sensibilisiert werden auf die möglichen Machtverhältnisse und das Manipulationspotential der Medien, sodass sie sich selbst vor negativen Einflüssen bewahren können. Neben der kritischen Analyse der Medieninhalte sollen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, einen Blick hinter das Geschehen, beispielsweise der Nachrichtenentwicklung zu werfen und somit die Organisation erkennbar wird. Teilweise wird so gezeigt, dass sich die politische Macht und die Medienmacht vermischen können.

4. Alltagsorientierte, reflexive Konzepte: Sie setzten direkt am Medienalltag der Heranwachsenden an, die sie selber reflektieren sollen, beispielsweise durch Medien-Tagebücher. Kindern und Jugendlichen werden so die positiven und negativen Medienerfahrungen ihres Alltags sichtbar gemacht. Während der Analyse soll es um die Bedürfnisse der Heranwachsenden gehen. Erziehende versuchen auf den Reflexionen der Kinder direkt einzugehen, um den Medienumgang der Kinder mitzugestalten. Das Ziel ist es nicht alltägliche Rituale abzuschaffen. Es geht vielmehr darum, dass diese Rituale den Kindern ganz bewusst werden und sie hinterfragt werden sollen.

5. Handlungsorientierte, partizipatorische Konzepte: Es findet ein Perspektivwechsel vom passiven Konsumenten zum aktiven Produzenten statt. Diese Konzepte gehen davon aus, dass das kreative Gestalten von eigenen Medienbotschaften verschiedenster Medien am besten dazu befähigt, die Möglichkeiten und Grenzen der Medien zu verstehen. Kinder oder Jugendliche die einmal hinter die Kulissen geschaut haben, beispielsweise wenn sie wissen, wie ein Werbespot produziert wird oder wie Nachrichten im Fernsehen entstehen, sehen sie die Werbung und die Nachrichten mit anderen Augen und sind sensibler für bestimmte Aspekte. Wenn es nur darum geht, dass Kinder selber Medienbotschaften produzieren, könnte dies dazu führen, dass sie Botschaften nur noch aus Sicht des Produzenten betrachten und die vorherige Distanz fehlt. Heute ist es Heranwachsenden immer mehr möglich, zu eigenen Produzenten zu werden und online beispielsweise zu bloggen, Fotos oder einen Kurzfilm hereinzustellen oder eine eigene Homepage zu entwickeln. Das Augenmerk heute sollte also darauf gelegt werden, die Folgen des eigenen Publizierens zu reflektieren und sich im Klaren darüber zu sein, dass man sich in der Welt der Öffentlichkeit befindet und so Privates für alle zugänglich gemacht wird. Es sollte also Aufklärung erfolgen, sodass Kinder ihr eigenes Handeln kritisch reflektieren können. Es ist zu beachten, dass der Mediennutzer kein rezeptiver mehr ist, sondern interaktive Angebote nutzt und sich kreativ in die Medien einbinden kann (Prosument).

Die Medienpädagogik muss die Ansätze situationsabhängig und auf das einzelne Individuum spezifisch einsetzen und darf sich nicht nur auf eines der fünf Ansätze fokussieren.

Literatur: Süss, D.; Lampert C. & Wijnen, Chr. W. (2010). Medienpädagogische Ansätze: Grundhaltungen und ihre Konsequenzen. In Medienpädagogik. Ein Studienbuch zur Einführung. (S.83-104). Wiesbaden: VS Verlag.

Professor Dr. Dr. Manfred Spitzer, einer der führenden Neurowissenschaftler Deutschlands, stellt die These auf:

„Bildschirmmedien machen dumm, aggressiv, traurig und dick“.

Studien zufolge sei Fernsehkonsum  im Vorschulalter schlecht für die Entwicklung der Kinder. Fernsehkonsum im Alter von 1-3 Jahren führe zu Aufmerksamkeitsstörungen im Alter von 7. Fernsehen im Spätvorschulalter, zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr, ginge mit Lese- und Rechtschreibschreibschwierigkeiten im Alter von 7 bis 9 einher. Je mehr Fernsehkonsum, desto dicker werde ich, desto gewalttätiger werde ich. Gewalt in Computerspielen und im Fernsehen soll die Lernfähigkeit negativ beeinflussen. 2025 soll es 40.000 zusätzliche Tote aufgrund des heutigen Fernsehkonsums geben. Dass Fernsehen dumm macht, ist wohl keine Neuigkeit. Spitzer geht es vielmehr um die Tatsache, dass sich die Intelligenz und der Fernsehkonsum wechselseitig zueinander verhalten: Je größer der Fernsehkonsum, desto „dümmer“ werden die Heranwachsenden.

Bildschirmmedien –> zunehmende Verblödung der Jugend

Wenn ich seine Worte höre, die er zum Beispiel mit einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen belegt, muss ich doch vorerst denken, seine Thesen sind nicht zu halten. Es stößt bei mir im ersten Moment auf pures Unverständnis und ich halte seine Meinung für übertriebene Skepsis. Er warnt vor den Risiken der Mediensucht und spricht sich für einen Medienverzicht zugunsten realer Freizeitaktivitäten aus. Hiermit ist er in den schon bereits kennengelernten bewahrpädagogischen Ansatz einzuordnen. Kinder und Jugendliche sollen vor schädlichen Einflüssen der Medien bewahrt werden. Kulturpessimistische Einschätzungen führen zu Verboten und Sanktionen, die Heranwachsende vor ungeeigneten Medieninhalten schützen sollen. Als ich mir eine Sendung im NDR mit Manfred Spitzer anschaute, geriet ich erstmalig ins Grübeln.

http://http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_talk_show/videos/ndrtalkshow1481.html

Kann an seinen strengen, schonungslosen Thesen etwas dran sein? Führen neue Medien zur „digitalen Demenz“?

Ist die Gehirnforschung wirklich soweit, zu durchschauen, was unser Denken beeinflussen kann? Manfred Spitzer weiß ja angeblich, was uns zu dummen, aggressiven Menschen macht: der übermäßige Gebrauch der neuen Medien. Er sagt, immer mehr junge Menschen seien nicht mehr dazu in der Lage, sich richtig zu konzentrieren. Die geistige Arbeit würde uns durch die technischen Innovationen abgenommen und so unser Gehirn nicht mehr gefordert. Google nehme uns das Denken ganz einfach ab. Wieso uns etwas merken, wenn wir es per Klick nachschlagen können? – So Spitzers Argumentation. Er ist gegen den Gebrauch von Laptops in der Schule, denn sie würden den Kindern das Lernen zu sehr abnehmen. Seine Borniertheit ist in all seinen Worten herauszuhören. Schenkten Eltern ihren Kindern eine Playstation, führe dies zwangsläufig zu schlechten Noten. Computerspiele seien programmiert, um süchtig zu machen.

Um einen Funken Wahrheit an seiner verbissenen Meinung herauszuhören, würde ich mir einen seiner Sätze, „Die Dosis macht das Gift“, vor Augen führen und in diesem Blickwinkel seine Argumente betrachten. Ich erachte es als wichtig, dass Kinder nicht 7 Stunden täglich vor dem Bildschirm sitzen. Alles in Übermaß ist schlecht für den Menschen, das ist nicht abzustreiten und ebenso auf die Medien zu übertragen. Aber damit ist ja nicht alles zu beantworten. Selbst eine kurze Zeit des Medienkonsums kann die Denk- und Konzentrationsfähigkeit beeinflussen. Ich habe es bei mir selber gemerkt, als  ich vor der Schule Fernsehen geschaut habe und nicht gefrühstückt, so konnte ich mich danach nicht so gut konzentrieren, wie wenn ich mit Frühstück und ohne Fernsehkonsum in die Schule gegangen bin.

Lerne ich für die Schule und mache danach eine Pause, indem ich den Fernseher einschalte, ist alles Gelernte nur für kurze Zeit gegenwärtig. Ich kann mir also gut vorstellen, dass in der einen oder anderen These ein bisschen Wahrheit steckt, doch Spitzers radikale Meinung ist für mich nicht zu halten. Es ist erstaunlich, dass er mit Studien seine Thesen als  plausibel erscheinen lässt, sie als bewiesen gelten lässt. Es ist außerdem zu fragen, was von einem Mann zu halten ist, der im Grunde unzählige Studien zitiert und einfach seinen „Senf“ dazugibt? Er hat nichts Neues herausgefunden, nur für jede Menge Aufruhr gesorgt. Mir fehlt aber die andere Seite, die Spitzer gar nicht beleuchtet, die positiven Effekte und Möglichkeiten von Medien. Alles wird einfach schlecht geredet.

Auf die Gefahren von Medien aufmerksam zu machen, ist nicht erst seit Spitzer der Fall. Schon immer gab es ablehnende bzw. kritische Haltungen gegenüber neuen Medien. Sogar gegen das Lesen gab es Einwände, die sich aber wieder gelegt hatten. Ist es also eine Kritik an den Medien und dem Medienkonsum dieser Zeit, die sich irgendwann von alleine löst? Ich bin verunsichert. Muss ich Angst haben, dass sich Kinder nicht richtig entwickeln, wenn sie Medien gebrauchen? Darf in der Schule einfach kein Platz für Medien und Medienpädagogik sein?

https://i0.wp.com/www.jako-o.eu/uploads/pics/s6_text_280x180_01.jpgQuelle Bild

Ein interessanter Artikel in der FAZ setzt sich Spitzers Werk der „digitalen Demenz“ auseinander und überprüft dessen Wahrheitsgehalt:

Artikel FAZ